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19 Apr 2010

Asarbeidschan: Kriegerische Töne und viel Geld

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Vorderasien

In der letzen Woche habe ich eine Delegation der NATO-Parlamentarierversammlung nach Asarbeidschan geleitet. Es handelt sich um den Unterausschuss für NATO-Partnerschaften.

Die Erkenntnisse der dreitägigen Gespräche lassen sich wie folgt zusammen fassen:

1. Erschreckend ist die auch in entscheidenden politischen Kreisen gepflegte Kriegsrhetorik. Uns wurden offen gesagt, dass nunmehr die Möglichkeiten einer Verhandlungslösung mit Armenien wg. Nagorny Karabach ausgreizt seien und daher jetzt die militärische Lösung angemessen sei. Zum Glück gibt es auch in der Regierung noch einige, die sich auch weiterhin an einer Verhandlungslösung beteiligen wollen. Ob diese Kriegsrhetorik wirklich ganz ernst gemeint ist oder “nur” dadurch Druck auf uns ausgeübt werden sollte, uns aktiver für die Belange Asarbeidschans einzusetzen, kann ich nicht endgültig beurteilen. Ich habe aber persönlich 2008 erlebt, wie die Kriegsrhetorik bei meinem Besuch im Juli 2008 in Georgien keine vier Wochen später in einem Krieg gemündet hat. Diese Erfahrung möchte ich nicht gerne noch einmal machen. Also nehme ich solche Sprache ernst.

2. In der Tat ist allerdings der Verhandlungsprozess wg. Nagorny-Karabach in einer Sackgasse angelangt. Russland, Frankreich und die USA haben die Federführung bei der Vermittlung. Die Vorschläge des Madrider Protokoll sind sinnvoll und sollten durchgesetzt werden.

3. Armenien hat in dem bewaffneten Konflikt Anfang der 90er Jahre Nagorny-Karabach, wo Armenier leben, darüberhinaus aber auch fünf Distrikte, in den Azeris (die Bewohner Asarbeidschans) leben, besetzt. Armenien weigert sich nachhaltig, in einem ersten Schritt wenigstens die Besatzung dieser fünf Distrikte aufzugeben. Hier sollte der internationale Druck auf Armenien erhöht werden.

4. Asarbeidschan befindet sich einer sehr komlexen Gemengelage zwischen der Interessen der Türken (Brudervolk mit derselben Sprache), Russland (alte Beherrschung und vitales Interesse an Einfluss in der Region) und dem Iran (dort wohnen mehr Azeris als in Asarbeidschan selber). Angesichts des stark zunehmenden Reichtums in Asarbeidschan wegen der Öl- und Gasfunde werden diese Interessen naturlich auch eher stärker artikuliert.

5. Asarbeidschan ist im Boom-Rausch. Die Bautätigkeit erreicht fast das Niveau der Öl-Brüder am Golf. Das BSP steigt zwischen 7 und 12 % p.a. Die neuen Gasfelder stehen erst am Beginn der Ausbeutung. Dieser Reichtum führt natürlich auch zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl in Asarbeidschan incl. der damit evtl. einhergehenden Selbstüberschätzung und einer Aggressivität.

6. Viele Gesprächspartner haben Rückschritte bezüglich der Entwicklung einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft beklagt. Pressefreiheit und die ungehinderte politische Betätigung werden eingeschränkt. Viele führende Vertreter des Regimes sind gleichzeitig Oligarchen (geworden).

7. Asarbeidschan will den Anschluss an das westliche Werte- und Gesellschaftssystem. Ob das dortige System bereit ist, die dafür notwendigen Bedingungen zu erfüllen, bleibt abzuwarten. Unsere Aufgabe ist es, auf diese Bedingungen weiterhin deutlich hinzuweisen.

8. Die Nabucco-Pipeline stellt aus europäischer Sicht eine sinnvolle Reduzierung der Gas-Abhängigkeit von Russland dar. Ob allerdings Asarbeidschan wirklich liefern will, ob die westlichen Länder wirklich zu Commitments bezüglich Abnahmemengen bereit sind, muss sich in den folgenden Monaten zeigen. Ich befürchte, dass die Chancen für Nabucco nicht besser werden mit der Zeit. Sicher ist schon heute, dass diese Pipeline nicht nur mit Gas aus Asarbeidschan befüllt werden kann. Weiteres Gas, z.B. aus Turkmenistan, Kasachstan, evtl. eines Tages Iran, muss dazu kommen. Die angedachten Zeitpläne, dass das erste Gas schon 2014 fließt, scheinen völlig unrealistisch zu sein.

9. Der Westen, die EU und die NATO, sollten ein gesteigertes Interesse an dieser Region haben und das auch demonstrieren. Dabei geht es nicht nur um die “schnöden” Energieinteressen. Der südliche Kaukasus ist auch geopolitisch von Bedeutung. Es kann uns nicht egal sein, ob sich dort der Einfluss von fundamentalistischen Muslimen breit macht. Tendenzen dazu sind z.T. im Nordkaukasus erkennbar. In Asarbeidschan, einem sehr säkularen muslimischen Land, wird auch der Einfluss von radikalen Elementen befürchtet.

10. Aus diesem Grunde hat auch unser Komitee für NATO-Partnerschaften dieses Land besucht. Von einer NATO-Mitgliedschaft ist dabei keine Rede. Eine Kooperation ist dennoch sinnvoll, wenn es unseren Sicherheitsinteressen dient und dafür sorgt, dass dieses Land evtl. von einem “Konsumenten von Sicherheitsleistungen” zu einem “Produzenten von Sicherheitsleistungen” werden kann. Asarbeidschan bemüht sich jedenfalls, diese Rolle zu spielen. Trotz großer Defizite bezüglich des Status dieses Landes als Demokratie und Rechtsstaat in unserem Sinne sollten wir Asarbeidschan dabei unterstützen, diese Rolle zu spielen.

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04 Mrz 2010

Auswärtiger Ausschuss in Warschau

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Osteuropa

Am 3.3.10 tagte der Auswärtige Ausschuss des Bundestages wieder einmal zusammen mit den polnischen Kollegen in Warschau. Diese gemeinsamen Sitzungen finden einmal pro Jahr statt. Ich habe schon an der ersten Sitzung im Jahre 2003 teilgenommen, die damals sehr steif und holperig verlief.

Das Thema des Vormittags war das bilaterale Verhältnis unserer beiden Länder. Von polnischer Seite sind dabei die Themen der Lebensbedingungen der Polen in Deutschland (polnische Minderheit?) sowie der Umfang des Polnischunterrichtes an deutschen Schulen angesprochen  worden. Insgesamt war die Diskussion leider doch wieder einmal sehr stark vergangenheitsorientiert dominiert. Ich habe eingewandt, dass mir die historische Situation und die sich daraus ergebenen politischen Konsequenzen jederzeit präsent sind, ich aber als Politiker des Jahres 2010 meine Energie auf die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft unserer Länder legen möchte. Ich fände es gut, wenn Deutschland und Polen mit ganz konkreten gemeinsamen politischen Initiativen die Zusammenarbeit vertiefen würde. Außerdem liegt mir die Vitalisierung des Weimarer Dreiecks zwischen Polen, Frankreich und Deutschland am Herzen.

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07 Feb 2010

Sicherheitskonferenz, Nachtrag zu Tag 2 und Tag 3

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Internationales

Ein Nachtrag zum zweiten Tag: Ich hatte vergessen, den Vortrag von Frau Ashton zu erwähnen. Das lag wohl daran, dass er nicht bemerkenswertes über die Gestaltung der Welt durch die EU beinhaltete und dass sie unmittelbar nach ihrem Vortrag verschwinden musste, also nicht mehr an der Diskussion mit Westerwelle, Lawrow und Jones teilnehmen konnte.

Am Tag 3 gab es gleich einen positiven Einstieg: mit Nick Gowing von der BBC gab es erstmals einen Moderator, der wirklich aus den Teilnehmern was rausholte und Verknüpfungen schaffte.

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07 Feb 2010

Sicherheitskonferenz Tag 1 und Tag 2

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Internationales

Licht und Schatten auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Es ist ohne Zweifel wieder einmal die Veranstaltung auf der Welt mit dem größten Zulauf an hochkarätigen Gästen. Man kann kaum die vielen Ministerpräsidenten und Minister zählen.

Allerdings ist der Erkenntniswert von manchem Panel doch sehr überschaubar. Das liegt daran, dass viele Referenten einfach ihr Routinestatement abspulen und in diesem Fachkreis längst bekannte Wahrheiten verkünden. Sie werden dabei auch nicht durch die Moderatoren gehindert. So kommt zu wenig echte Diskussion zwischen den hochkarätigen Gästen auf. Das ist sehr schade, denn Gelegenheit dazu hätte es gegeben.

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25 Jan 2010

Aghanistan vor der London-Konferenz

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Afghanistan

Wir messen der Londoner Konferenz große Bedeutung bei. Erstmals gibt es jetzt die realistische Chance, in der NATO gemeinsame realistische Zielvorstellungen und davon abgeleitet gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Wir als FDP-Fraktion haben von der Bundesregierung verlangt, sehr deutlich eigene deutsche Vorstellungen in London einzubringen. Deutschland muss endlich aus der angesichts unseres Beitrages völlig unangemessen politischen Defensiv-Position im Bündnis herauskommen.
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10 Dez 2009

Afghanistan: viel Aufregung um Truppenzahlen und KSK

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Afghanistan

Die Afghanistan-Debatte bekommt langsam hysterische Züge: In Washington wurde ich in den letzten Tagen immer wieder bedrängend gefragt, warum denn Deutschland nicht auch wie viele andere Länder sofort mehr Soldaten zugesagt hat. Die Antwort darauf ist eigentlich logisch: wir nehmen die AFG-Konferenz ernst, legen in London gemeinsam die Ziele, die Strategien und dann die Ressourcen fest.

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30 Nov 2009

Drei Mandate: ISAF, OEF, UNIFIL diese Woche im Bundestag

Veröffentlicht von Rainer Stinner in Afghanistan, Internationales, NATO

In dieser Woche werden wir über die drei Mandate ISAF, OEF und UNIFL abstimmen.

1. ISAF

Die Bundesregierung bringt mit der Unterstützung von Union und FDP das bisherige Mandat unverändert weiter ein. Das heißt aber nicht, dass sich nichts ändern soll. Ganz im Gegenteil. Die Situation in Afghanistan ist insgesamt unbefriedigend. Zwei Aspekte sind von uns bisher insbesondere kritisiert worden:

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